Mal kurz nachgedacht

Tunesien revoltierte, in Ägypten ist es nicht mehr aufzuhalten und ob der Jemen und weitere Länder folgen ist nicht wirklich unwahrscheinlich.
Aber was passierte da?
In Ländern die jahrelang für Argumentationen rund um den Islam und auch für die Islamisten im Westen herhalten mussten?
Ein Jahrzehnt wurde bestimmt von den Argumentationen für die Samuel Phillips Huntington in seien Buch von 1996 „The Clash of Civilizations“ (Kampf der Kulturen) aufzeigte und die die Supermacht USA zu weltweiten Aktionen verleitete, die nicht nur Ansehen und Billiarden von Dollars kosteten, sondern auch viele Tote und letztendlich auch die Vormachtstellung dieser einst stolzen Weltmacht.
Hätten sie alle Recht gehabt, die den Kampf der Kulturen, der Religionen prophezeiten haben, würde heute in Ägypten nicht Seite an Seite gegen ein diktatorisches und ungerechtes System gekämpft-genauer friedlich protestiert, sondern würden die gesellschaftlichen Gruppen dort gegeneinander zu Felde ziehen. Und das ganz ohne den reformierten Islam, der lange als Grundlage für einen Wandel als Forderung im Raum stand.
Die junge Bevölkerung dort ist viel mehr Weltbürger als es die westlichen Machtstrategen dachten, die Jungen sind in Twitter, Facebook online und diese neue Welt verbindet interkulturel nicht nur Glaubensgemeinschaften sondern auch Nationalitäten.
Die einseitige Betrachtung der Verhältnisse im religiösen Licht griff zu kurz und das Zeitalter der Individuen die global agieren ist angebrochen.
Noch nie war es so einfach, weltweit Resonanz initiiert durch den Einzelnen für ein Thema zu erzeugen, wie heute mittels dem Internet, seiner Blogs und schnellen Informationsströme.
Doch noch immer ist das Verständnis bei den heute Regierenden nicht nur mangelhaft, es ist schlichtweg nicht vorhanden. So denke ich, dass es auch bei uns in Europa recht schnell zu tiefgreifenden Veränderungen kommen kann, wenn nicht endlich deutlich stärker auf die Interessen der Bürger geachtet wird. Nicht nur Griechenland und Portugal sind da Kandidaten, auch in Deutschlang gibt es da durchaus Potential. Dies liegt zwar auf völlig anderem Niveau, aber die Wirkung als kritische Masse ist sicherlich ähnlich potent.
Die Erfolge der Piratenpartei zeigen ja bereits, dass die Grundlagen vorhanden sind und die Menschen die eben die moderne Internet verknüpfte Welt gut kennen, dieses Art von Machtausübung nicht mehr befürworten. Ja, auch ich bin Mitglied dieser Partei und hebe den Altersdurchschnitt an, und obwohl ich seit vielen Jahren intensiv mit dem Web zu tun habe, staune selbst ich regelmässig über die Ansichten und Einstellungen der 20 Jährigen.
Die Demokratie wird hochgehalten, die individuelle Freiheit ebenso und dies wird der Motor der Veränderung sein. Solange aber die öffentliche Wahrnehmung regelmässig derart ist, dass „man das Internet zu Hause dann auf dem Fernseher ansieht“, wie ich diese Woche wieder im dlf- Radio gehört habe, solange für die Gesetzesmacher das Internet dem Rundfunk gleichzusetzen ist und sie den Einblick auf Papierausdrucken wahrnehmen und die Jungen sie als „Internetausdrucker“ oder Informationen auf Papier als „auf toten Bäume“ bezeichnen, sehe ich den Druck auf die Staumauer der Unzufriedenheit zunehmen.
Die Frage ist dann, was wird das Ereignis sein, dass den Damm zum bersten bringt?